wald tunnel mai21Blick von der Grünanlage auf dem A-44-Tunnel auf den Unterrather Wald vor den Gebäuden der Bundespolizei. Links hinten der Hunde-Spiel- und Auslaufplatz.

Aktualisiert 1. Juni  2021

Ein großer Teil des Unterrather Waldes soll gerodet und später teilweise neu gepflanzt und aufgeforstet werden. Das Gelände wird für den Bau der Airport-City-West benötigt. Dagegen rührt sich Protest. Für viele Menschen in Unterrath und Stockum könnten die Baumaßnahmen und der Wald-Wandel aber auch eine Reihe von Vorteilen mit sich bringen.

Der RVDU erklärt die Planung, beantwortet die am häufigsten gestellten Fragen und stellt Forderungen.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Wo steht der Unterrather Wald?

Vielen Unterrather wissen gar nicht, dass zwischen der A44 bzw. deren Tunnel und den ehemaligen Gebäuden der Engländer-Kaserne (heute Bundespolizei) ein Wald steht.

luftbild bupoBlick auf das Plangebiet Airport-City-West aus Richtung Flughafen. Die rot eingefärbte Fläche markiert in etwa dasWaldgelände. (Quelle: Vermessungs- und Katasteramt Düsseldorf /2019, Bearbeitung: H.-D. Budde)

Er ist bis zu ca. 340 Meter breit, zwischen ca. 30 und 80 Meter tief und mit rund 16.200 Quadratmetern ungefähr doppelt so groß wie die Rasenfläche der Merkur-Spiel-Arena. Der Wald gehört zum Sicherheitsbereich des Flughafens. Der Zugang ist durch Schranken und Maschendrahtzäune versperrt, von Süden her zusätzlich durch eine Mauer.

Laut Siedlergemeinschaft Düsseldorf Nord (seit 1931) handelt es sich um den Restbestamd eines durchgehenden Waldes von Unterrath bis Lohausen. Dessen Abholzung sei in den 1920er Jahren durch die französische Armee als „Reparationsleistung“ nach dem ersten Weltkrieg erfolgte. Auf der freien „Heidefläche“ seien Anfang der 1930er Jahre in mühevoller Eigenleistung die Wohnhäuser und Gärten der Siedlergemeinschaft entstanden.

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Warum handelt es sich bei der Grünfläche um einen Wald?

Laut „Landesbetrieb Wald und Holz NRW“ bilden Bäume und Sträucher auf der ca. 1,6 ha (16.200 qm) großen Fläche ein, so sein Gutachten,  „waldtypisches Innenklima“ mit niedrigeren Temperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit als in der Umgebung. Dazu tragen auch die 38 Bäume bei, die aufgrund ihrer Größe und damit ihres Alters durch die Düsseldorfer Baumschutzsatzung geschützt sind. Es handelt sich u. a. um Stieleichen, Rotbuchen und Robinien. Der gesamte Bestand ist ungeordnet, weist Lücken - etwa durch Windwurf – auf und enthält verwilderte Bereiche mit kleinen Bäumen und Gebüsch.        Zum Inhaltsverzeichnis

 

Wie ist der aktuelle Planungsstand für die Airport-City?

2004 schuf die Stadt Düsseldorf das Baurecht für die Airport-City. Seitdem entstand auf dem ehemaligen Kasernengelände der britischen Caernarvon Barracks ein internationaler Bürostandort.

Als letzter Bauabschnitt soll nun die Airport-City-West verwirklicht werden. Zwischen Flughafenstraße und der Mauer durch den Wald sind fünf- bis siebenstöckige Bauten mit Büros, Geschäften und einem Hotel geplant.

planentwurf

Der ausgelegte Planungsentwurf für die Airport-City-West mit den Gebäude- und
Grünbereichen. (Quelle: Stadtplanungsamt Landeshauptstadt Düsseldorf)

Die Stadt Düsseldorf hat einen Bebauungsplan-Vorentwurf vorgelegt, der nach Beschluss der schwarz-grünen Mehrheit im Ratsausschuss für Planung und Entwicklung derzeit bis zum 31. Mai 2021 öffentlich ausgelegt wird. Alle Details und Unterlagen hier einsehen.

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Wieviel Wald entfällt, wieviel soll ersetzt werden?

Nach den aktuellen Plänen soll etwa die Hälfte der bestehenden Waldfläche entfallen. Die andere Hälfte soll erhalten bzw. neu aufgeforstet werden. Als Ersatz für die vernichteten rund 8000 Quadratmeter muss nach Vorgaben des „Landesbetriebes Wald und Holz NRW“ ein doppelt so großer „Ersatzwald“ angepflanzt werden. Das geschieht 7-8 Kilometer nördlich der Airport City nahe dem Wasserwerk Duisburg in Wittlaer-Bockum. Ursprünglich war ein Areal in Langenfeld vorgesehen.

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Wie soll der Unterrather Wald in Zukunft aussehen?

Im Gegensatz zu den derzeit ausgelegten Plänen soll ein größerer Teil des ursprünglichen Waldes mit mehreren großen Bäumen nicht für die Bauarbeiten gerodet werden. Insgesamt soll die Waldfläche um weniger als die Hälfte schrumpfen. Dafür soll die Grundfläche einiger Gebäude verkleinert werden.

waldmauerZwischen den Bauten und dem eigentlichen Wald soll ein neuer „Waldsaum“ mit Bäumen, Sträuchern und Grünflächen angelegt werden. Für Fußgänger und Radfahrer sollen Wege zwischen der jetzigen Grünanlage auf dem A-44-Tunnel und der Airport-City-West verlaufen. Bisher ist der Durchgang in den Wald  durch einen Mauer (Foto) und einem dahiter liegenden Maschendrahtzaun versperrt.

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Welches neue Grün ist sonst noch in der Airport-City-West und auf dem A-44-Tunnel geplant?

  • Begrünung der neuen Flach- und Tiefgaragen-Dächer.
  • Rund 50 neue Bäume an der Klaus-Bungert-Straße und an der neuen Stichstraße in die Airport-City-West.
  • Weitere Grünflächen.
  • 100 zusätzliche Bäume, die der Flughafen stiften will und die noch nicht in der derzeitigen Planung enthalten sind. Das haben Airport-Vertreter bei Gesprächen mit Ratsvertretern von CDU und Bündnis 90/Die Grünen zugesagt, hieß es im Planungsausschuss.
  • Unabhängig davon soll der an den derzeitigen Wald angrenzende vorhandene Baumbestand auf dem Tunnel-Grünzug erweitert werden.

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Wogegen protestieren Bürger, Baumschützer und Naturfreunde?

fahrraddemo

Die Baumschutzgruppe Düsseldorf, die im Rat vertretene Klimaliste und Bürger protestierten im Rahmen einer Fahrraddemo mit ca. 85 TeilnehmerInnen gegen den Ausbau der Airport-City-West. So wurde von Demonstrierenden beklagt, dass „für die geplanten Hotel- und Bürobauten gleich ein ganzes Wäldchen fallen“ müsse. Es gebe, so hieß es, schon „jede Menge Leerstand“ in der Stadt. Deshalb werde in der Airport-City-West „am ökologischen und ökonomischen Bedarf für Bürobauten vorbei geplant.“ Auf Plakaten dokumentierten TeilnehmerInnen die bestehenden Naturschutzrechte.

Die Düsseldorfer FDP-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Agnes Strack-Zimmermann (auf dem Foto links) forderte vor allem die PolitikerInnen von Bündnis90/Die Grünen auf, den „Unsinn“ zu stoppen und nicht noch zu unterstützen.            Zum Inhaltsverzeichnis

 

Wie geht jetzt weiter?

Voraussichtlich im Herbst wird das Thema im Ausschuss für Planung und Entwicklung erneut beraten. Dann wollen CDU und Bündnis90/Die Grünen ihre Änderungsanträge einbringen. Danach muss die Verwaltung die Pläne entsprechend ändern. Die letzte Entscheidung liegt beim Rat der Stadt Düsseldorf. Danach kann gegen die Beschlüsse geklagt werden.

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Das fordert der RVDU

Der Ausbau des Flughafens und die Ausweitung des Flugverkehrs haben in den letzten Jahren die Belastungen in unserem Wohngebiet stark erhöht. Jetzt wollen auch wir als Anwohner von den Baumaßnahmen profitieren.

Zusammengefasst erwartet der RVDU zwischen Airport-City und Wohngebiet ein hochwertiges Wald- und Grünkonzept mit Freizeitangeboten wie Rad- und Spazierwegen, Kinderspielplatz und einem „Waldcafé“.

Der RVDU-Vorstand begrüßt die Zusagen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen in der Sitzung des Planungsausschusses vom 18. März 2021. Danach soll das südliche Baufeld zugunsten von Bäumen und Grün gegenüber der aktuellen Planung verkleinert werden, die bestehende und neu angelegte Waldfläche aufgewertet und mit 100 zusätzlichen Bäumen bepflanzt werden. Diese Änderungen will die schwarz-grüne Ratsmehrheit bei den künftigen Beratungen beantragen und beschließen. Wir als RVDU werden sehr genau beobachten, ob sich die Politiker an ihre Versprechen halten.

  • Thema Lärmschutz

Die bis zu siebenstöckigen Bürobauten der Airport-City-West schließen nach Ansicht des RVDU-Vorstandes eine Lärmschutz-Lücke zwischen Starenweg bis zur Straße „Am Roten Haus“ und wohl auch darüber hinaus für die angrenzenden Stockumer Siedlungsbereiche. Das ist eine durchaus erwünschte „positive Nebenwirkung“ der Baumaßnahme. Dass Gebäude einen hohen Lärmschutz bieten, zeigt sich östlich des Starenweges. Mit dem Bau der bisherigen Airport-City reduzierte sich der Bodenlärm des Flughafens bis weit in die Siedlung hinein erheblich.

uebersicht plangebiet

 

 

Die Übersicht zeigt die Bedeutung der Airport-City-West als Lärmschutz-Riegel zwischen dem Vorfeld West des Flughafens un den angrenzenden Wohnge-bieten von Unterrath und Stockum. (Quelle: Vermes-
sungs- und Katasteramt Düsseldorf /2019. Bearbeitung: H.-D. Budde)

 

 

 

 

Der erweiterte Lärmschutz ist für hunderte von Menschen in den angrenzenden Wohngebieten auch deshalb so wichtig, weil im Westbereich des Airports derzeit rund 30 Flugzeug-„Parkplätze“ ohne Stromanschluss entstehen. Das dürfte dazu führen, dass der Bodenlärm zunimmt – vor allem durch die APU’s (Hilfstriebwerke) Das für die interne Stromversorgung der Flugzeuge, Triebwerksläufe, Rollverkehr, Volllast-Betrieb bei Starts oder Umkehrschub bei Landungen.

  • Klima- und Staubfilterfunktion des Grüns

Erhalten und verbessert werden muss aber auch die Klima- und Staubfilterfunktion des Grüns. Darum müssen die Rodungen auf ein Minimum beschränkt werden. Wichtig ist vor allem, möglichst viele der großen Bäume so zu sichern, dass sie bei den Bauarbeiten keinen Schaden nehmen.

Neben den geplanten und zusätzlich versprochenen Aufforstungsmaßnahmen fordert der RVDU  weitere Bäume im bestehenden Grünzug auf dem Tunnel. Diese könnten aus dem Kontingent der vorgeschriebenen Ersatzpflanzungen beim Wasserwerk in Bockum abgezweigt  werden und so ortsnah das Klima verbessern helfen.

Die geplante Durchforstung und Aufforstung des Waldes, die Schaffung eines mit Grün gestalteten Übergangbereiches, die Begrünung der Flach- und Tiefgaragen-Dächer in der Airport-City-West, neue Bäume an bestehenden und geplanten Straßen sowie weitere Vorgaben des Bebauungsplans und weitere Baumpflanzungen auf dem A-44-Tunnel könnten auf Dauer ein größeres und wertvolleres ökologisches System mit besserer Klima- und Staubfilterfunktion als das bestehende Waldgelände schaffen.

  • Höherer Freizeitwert

Eine weitere „positive Nebenwirkung“ des Airport-City-Ausbaus für die Anwohner ist der Wegfall von Mauer und Zäunen. Das erhöht den Freizeitwert für Fußgänger und Radfahrer und schließt die Airport-City-West an das Wegesystem bis zum Kartäuserpark an.  Der RVDU schlägt zusätzlich am „neuen“ Wald einen Freizeit-Erlebnis-Bereich mit „Waldcafe“, Kinder-Spielplatz und dem bestehenden Hundeauslaufplatz vor. Wünschenswert ist die Verlängerung des A-44-Tunnels bis zur Brücke Höhe Zeisigweg. Darauf wäre dann zusätzlich Platz für Grün- und Freizeitflächen. Das alles zusammen ergäbe einen attraktiven Stadtteil-Treffpunkt mit frischer Luft und Lärmschutz zum Flughafen.

  • Büros ja oder nein?

Ob das Gewerbegebiet Airport-City-West überhaupt noch sinnvoll ist, muss angesichts der aktuellen Büro-Situation in Düsseldorf sicher detailliert geprüft und von der Politik entschieden werden. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass nach dem „Corona“-Ausnahmezustand die Nachfrage nach Büroraum und Luftverkehrsleistungen wieder stark steigt. Dabei scheint das Areal mit Skytrain zum Flughafenbahnhof, Terminal-Bahnhof der S 11, den Buslinien 721, 729, 759, 760, 776, 896 und SB 5, der im Bau befindlichen U81 und direktem Autobahn-Anschluss zukunftsträchtiger zu sein als andere Bürostandorte, die derzeit entwickelt werden.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Der RVDU-Vorstand bittet seine Mitglieder um ihre Meinung zu den Bebauungs- und Grünplänen der Airport-City-West. Schreiben Sie eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Eine Zusammenfassung wird an dieser Stelle veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert.

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